Marokko ist längst kein Markt, den internationale Industriekonzerne nur beobachten. Viele sind bereits vor Ort, bauen Kapazitäten auf und ziehen ganze Zuliefer und Serviceketten nach. Was diese Akteure gemeinsam haben, ist ein klarer Business Case: Nähe zu Europa, Zugang zu Afrika, wettbewerbsfähige Kosten, belastbare Industrieparks, planbare Exportlogistik und ein Staat, der industrielle Ansiedlungen aktiv möglich macht.
Besonders sichtbar ist das in industriellen Clustern wie Tanger, Kenitra und im Umfeld großer Industrieplattformen. Dort hat sich ein dichtes Netz aus Tier 1 und Tier 2 Unternehmen etabliert. In einem Cluster wie Tangier sind laut Investorenanalysen bereits dutzende große Zulieferer konzentriert, insgesamt wird von rund 170 Tier 1 und Tier 2 Zulieferern im Land gesprochen.
Das ist relevant für Maschinenbau und Industrieanlagen, weil jedes neue Werk und jede Erweiterung zuverlässig dieselben Themen auslöst: Automatisierung, Linienaufbau, Werkzeugtechnik, Prüftechnik, Wartung, Ersatzteilmanagement, Energie und Medienversorgung, Retrofit und Industrie IT.
Aus Frankreich kommen traditionell viele große Industrieimpulse. Das zeigt sich nicht nur in Automotive, sondern auch in der Ausprägung ganzer Ökosysteme. Im Luftfahrtbereich ist der Trend genauso klar: Marokko positioniert sich als Fertigungsstandort in globalen Lieferketten, und es wird weiter investiert, weil Qualität, Skills und Skalierung inzwischen verlässlich erreichbar sind.
Aus den USA kommen parallel starke Signale. Amerikanische Industrieunternehmen bauen Präsenz auf, teils mit großen Belegschaften und vielen Standorten. Ein Beispiel ist Lear mit einer sehr breiten Produktionsbasis im Land und mehreren Standorten, die kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Auch US Unternehmen wie TE Connectivity nutzen Marokko als Fertigungsstandort für industrielle Komponenten und bauen im Umfeld von Tanger Med Kapazitäten aus.
Zusätzlich treibt Boeing gemeinsam mit marokkanischen Partnern den Ausbau eines Lieferantenökosystems voran. Das wirkt wie ein Magnet auf weitere industrielle Zuliefer und erzeugt erneut Bedarf an Anlagen, Fertigungsprozessen, Maschinen und Industrial Services.
Aus Asien ist die Dynamik ebenfalls stark. Japanische und andere asiatische Zulieferer sind seit Jahren im Land, unter anderem in großen, arbeitsintensiven Industrien wie Kabelbäumen, mit mehreren Werken und tausenden Jobs.
Gleichzeitig kommt aus China aktuell eine neue industrielle Welle rund um die Elektrifizierung, Batteriematerialien und Zulieferketten. Mehrere Projekte konzentrieren sich auf Zonen nahe Tangier und andere Industrieachsen. Das ist für Maschinenbau besonders relevant, weil diese Fabriken hochautomatisiert sind und große Anforderungen an Prozessanlagen, Materialhandling, Energie, Reinheit, Qualitätskontrolle und Wartungsstrukturen stellen.
Auch Türkei und Israel sind Teil dieses Bildes. Aus der Türkei entstehen zusätzliche industrielle Aktivitäten, bis hin zu neuer Fertigung vor Ort, was zeigt, dass Marokko nicht nur Absatzmarkt ist, sondern Produktionsstandort.
Israelische Unternehmen und Partnerschaften bauen ebenfalls wirtschaftliche Brücken und suchen Investitionsmöglichkeiten, teils in industriebezogenen Feldern und technologischen Projekten.
Und Deutschland. Deutsche Unternehmen sind vorhanden, aber sie sind im Verhältnis zu Frankreich, den USA und dem Tempo neuer asiatischer Investments oft nicht so sichtbar, wie es wirtschaftlich sinnvoll wäre. Es gibt klare Beispiele, etwa Leoni mit neuen Investitionen und Kapazitätsausbau sowie deutsche Zulieferer wie Schlerfer, die in bestehenden Industrieketten präsent sind.
Die Schlussfolgerung ist aus Unternehmenssicht einfach: Marokko wird von internationalen Akteuren bereits als industrieller Hub genutzt, und wer jetzt in Maschinenbau und Industrieanlagen einsteigt, kann sich in wachsenden Ökosystemen früh positionieren.