Marokkos Automotive-Erfolg basiert vor allem auf einem Faktor, den viele unterschätzen: der Staat baut die Rahmenbedingungen so, dass Industrieansiedlungen schnell, planbar und skalierbar werden. Wer im Automotive- oder Zulieferumfeld investiert, trifft nicht auf ein „normal wachsendes“ Umfeld, sondern auf einen Standort, der seit Jahren systematisch auf Exportindustrie ausgerichtet wird.
Dazu gehören spezielle Export- und Industrie-Freizonen, die genau für Automotive-Cluster entwickelt wurden. Dort profitieren Unternehmen von klaren Zulassungspfaden, gebündelter Behördenkoordination und einem Setup, das auf internationale Produktion ausgelegt ist. In diesen Zonen gilt typischerweise: Ein großer Teil des Umsatzes muss aus Exporten stammen (z. B. 70 %), dafür werden Betriebe aber auch gezielt in ein Export-Ökosystem eingebettet. Gleichzeitig werden die Industrieflächen weiter ausgebaut, weil die Nachfrage von Investoren steigt – ein Signal, dass Kapazitäten nicht nur verwaltet, sondern aktiv erweitert werden.
Parallel investiert Marokko stark in Fachkräfte und Ausbildung, speziell für Automotive. Ein sichtbares Beispiel sind die Automotive-Industrie-Ausbildungsinstitute (IFMIA) in wichtigen Industrie-Regionen, die technische Profile genau nach Bedarf der Werke ausbilden. Das ist entscheidend, weil Zulieferindustrie nicht nur günstige Arbeitskräfte braucht, sondern verlässliche industrielle Qualität: Techniker, Mechatronik, Elektrik, Produktionslogik. Genau hier hat Marokko in den letzten Jahren sichtbar nachgezogen.
Auch die Standortlogik ist konsequent: Casablanca als wirtschaftlicher Knotenpunkt mit einer Metropolregion von rund 4 Millionen Einwohnern bietet Talent, Management, Dienstleister, Finanzierung und Infrastruktur im Hintergrund. Produktionscluster und Exportzonen liegen so, dass Unternehmen schnell zwischen administrativem Zentrum, Produktion und Logistik wechseln können.
Ein weiterer Hebel ist die Logistik. Marokko hat mit Tanger Med ein Export-Fundament geschaffen, das nicht „gut für Afrika“ ist, sondern international mitspielt: Das Automotive-Ökosystem rund um Tanger wird als Industriezone mit über 150 Operators, über 40.000 direkten Jobs und einem kumulierten Investitionsvolumen von über 4 Milliarden USD beschrieben. Das ist der Unterschied zwischen „Standortidee“ und einem echten, funktionierenden Zuliefernetzwerk.
Hinzu kommen steuerliche und investive Anreize, die Industrieansiedlungen attraktiv machen können – unter anderem in Form von zeitlich befristeten Steuererleichterungen für bestimmte industrielle Aktivitäten sowie Fördermechanismen, die an Investitionshöhe, Standort und Jobaufbau gekoppelt werden. Wichtig ist nicht der einzelne Vorteil, sondern das Gesamtbild: Marokko will Wertschöpfung im Land – und erleichtert Investoren genau diesen Aufbau.
Unterm Strich heißt das: Wer in Marokko im Automotive- oder Zulieferbereich einsteigt, nutzt nicht nur niedrigere Kosten, sondern ein Umfeld, das strukturell darauf ausgelegt ist, Industrie anzuziehen, zu halten und auszubauen.